Zusammenfassung
Leseprobe
Inhaltsverzeichnis
- Über psychoanalytische Charakterkunde und ihre Anwendung zum Verständnis der Kultur
- Literaturverzeichnis
- Der Autor
- Der Herausgeber
- Impressum
Über psychoanalytische Charakterkunde und ihre Anwendung zum Verständnis der Kultur
(Psychoanalytic Characterology and Its Application to the Understanding of Culture)
Erich Fromm
(1949c)
Als E-Book herausgegeben und kommentiert von Rainer Funk
Aus dem Amerikanischen von M. Sprengler, überarbeitet von Rainer Funk.
Erstveröffentlichung 1949 unter dem Titel Psychoanalytic Characterology and Its Application to the Understanding of Culture in: S. Stansfeld Sargent and Marian W. Smith (Hg.), Culture and Personality, bei Viking Press in New York, S. 1-12. In deutscher Übersetzung von M. Sprengler erschien der Beitrag erstmals 1954 unter dem Titel Über psychoanalytische Charakterkunde und ihre Anwendung zum Verständnis der Kulturin Psyche, Heidelberg/Stuttgart, Jahrgang 8 (1954) S. 81-92. Nach einer Überarbeitung der Übersetzung (von Rainer Funk) fand der Beitrag 1980 Eingang in die Erich Fromm Gesamtausgabe in zehn Bänden, Stuttgart (Deutsche Verlags-Anstalt), GA I, S. 207-214.
Die E-Book-Ausgabe orientiert sich an der von Rainer Funk herausgegebenen und kommentierten Textfassung in der Erich Fromm Gesamtausgabe in zwölf Bänden, München (Deutsche Verlags-Anstalt und Deutscher Taschenbuch Verlag) 1999, GA I, S. 207-214.
Die Zahlen in [eckigen Klammern] geben die Seitenwechsel in der Erich Fromm Gesamtausgabe in zwölf Bänden wieder.
Copyright © 1949 by Erich Fromm; Copyright © als E-Book 2016 by The Estate of Erich Fromm. Copyright © Edition Erich Fromm 2016 by Rainer Funk.
Seit Freud 1908 die Schrift Charakter und Analerotik veröffentlichte, gibt es eine psychoanalytische Charakterkunde.[1] In dieser Arbeit richtete er erstmals die Aufmerksamkeit vom neurotischen Symptom weg auf den neurotischen Charakter. Freud und seine Mitarbeiter erkannten immer deutlicher, dass jedes Symptom im Charakter eingebettet ist; folglich war es notwendig, zuvor die Gesamtstruktur des Charakters zu verstehen, um ein Symptom verstehen und heilen zu können. Man gelangte so von der Symptomanalyse zur Charakteranalyse. Nicht nur theoretische Erwägungen führten zu dieser Gewichtsverlagerung, vielmehr auch die Tatsache, dass viele Patienten nicht über isolierte Symptome klagten wie Waschzwang, hysterisches Erbrechen, Klaustrophobie etc., sondern über Charakterschwierigkeiten, die sie daran hinderten, innere Sicherheit und Glück zu erlangen.
Freuds Charaktertheorie ruht auf zwei verschiedenen Arten von Voraussetzungen und Beobachtungen. Einmal wurde Freud immer stärker von der dynamischen Natur der Charakterzüge beeindruckt. Er sah nämlich, dass die Charakterzüge nicht nur durch frühe Einübung erworbene Verhaltensweisen waren, die leicht wieder abgestreift werden konnten, wenn neue kulturelle Anforderungen auftauchten, vielmehr wurde ihm deutlich, dass es sich um relativ beständige leidenschaftliche Strebungen handelte, um „Gewalten, die den Menschen bewegen“, wie Balzac sagt.
Freud erkannte hinter den Rationalisierungen, die den Charakter lediglich als eine adäquate Reaktion auf äußere Notwendigkeiten erscheinen ließen, die Starre und Zählebigkeit des Charakterzugs, selbst wenn dieser unter veränderten Umständen nutzlos oder sogar schädlich geworden war. Ferner begriff er die Genugtuung und die Lust, welche, oft unbewusst, aus dem charaktergemäßen Verhalten resultierten.
Details
- Seiten
- Erscheinungsform
- Deutsche E-Book Ausgabe
- Erscheinungsjahr
- 2016
- ISBN (ePUB)
- 9783959121514
- Sprache
- Deutsch
- Erscheinungsdatum
- 2016 (Februar)
- Schlagworte
- Erich Fromm Psychoanalyse Sozialpsychologie Charakterkune Gesellschafts-Charakter Kultur